DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Kirchenkampf und Pfarrernotbund Der Begriff "Kirchenkampf" hat sich in der Geschichtsschreibung etabliert. In ihm sollen sich die kontroversen Strömungen und die damit verbundenen Auseinandersetzungen während der ersten Jahre nach Beginn der faschistischen Machtergreifung, vor allem innerhalb der Evangelischen Kirche, ausdrücken (siehe auch Kirchen im Faschismus).

Aufruf der Evangelischen Landeskirche
Aufruf der Evangelischen Landeskirche am 16. August 1934 [5]
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Von dem Kirchenkampf kann allerdings nicht ohne weiteres gesprochen werden, zumal die innerkirchliche Opposition nicht eine homogene, die Kirche in all ihren Bereichen durchdringende Erscheinung war, sondern auf eine Minderheit beschränkt blieb.

Schon im Juni 1932 formierte sich die sogenannte "Glaubensbewegung Deutsche Christen" , die die christliche Lehre untrennbar mit dem faschistischen Führerkult verband. So hieß es in These 3 der DC vom 10. Dezember 1933, dem sogenannten "Arierparagraph":

"Die Volkskirche bekennt sich zu Blut und Rasse, weil das Volk eine Bluts- und Wesensgemeinschaft ist. Amtsträger der Volkskirche kann nur sein, wer nach dem Rechte des Staates Beamter sein kann".

Der 11. September 1933 war der Gründungstag des "Pfarrernotbund" (PNB) in der Gemeinde von Martin Niemöler in Berlin-Dahlem. In ihm waren all diejenigen Geistlichen organisiert, die gegen die Beschneidung der kirchlichen Unabhängigkeit durch die Faschisten kämpften oder aber die Widersprüche der NS-Kirchendoktrin nicht mit ihrem christlichen Selbstverständnis in Einklang bringen konnten. Am 20. Oktober 1933 wurde in Berlin-Dahlem der "Bruderrat des Pfarrernotbundes" gegründet. Er sollte dazu dienen, den Widerstand zu organisieren, zu konzentrieren und nicht zuletzt zu kontrollieren. So wurden z.B. Predigten formuliert, die in den verschiedenen Kirchengemeinden gleichzeitig abgehalten wurden und für alle dem PNB zugehörigen Pfarrern verpflichtend waren.

Der Notbund, der sich in scharfer Opposition zu den "Deutschen Christen" befand, war dies nur in kirchenpolitischen Fragen. Im Bereich der Allgemeinpolitik stand er auf der Seite Hitlers. Der innerkirchliche Machtkampf wurde allerdings weitergeführt: Auf der einen Seite der Reichsbischof und die faschistische "Glaubensbewegung Deutsche Christen", auf der anderen der ehemalige U-Boot-Kommandant Martin Niemöller und der Pfarrernotbund. Obwohl es der Notbund erreichte, dem Reichsbischof Ludwig Müller durch deutsche Protestanten am 20. Dezember 1933 das Vertrauen zu entziehen, blieb dieser im Amt. Der Einfluss der NS-Herrscher auf den Apparat des kirchlichen Machtgefüges war zu diesem Zeitpunkt schon zu groß. Als Hitler am 25. Januar 1934 bei einem Treffen mit Reichsbischof Müller und protestantischen Kirchenführern dem Leiter des PNB eine derartige Abfuhr erteilte, distanzierten sich die Landesbischöfe von Bayern, Baden-Württemberg und Hannover von Niemöller und liefen zum Reichsbischof über. Der PNB verzeichnete in der unmittelbaren Zeit nach dieser Entwicklung einen erheblichen Mitgliederschwund von 7.000 auf 5.500 Pfarrer. Als der Notbund dadurch erkannte, dass eine Reform der "Deutschen Evangelischen Kirche" unmöglich geworden war, stellte dies den Beginn einer neuen kirchlichen Machtstruktur dar: Die Bekennende Kirche entstand. Mit der Ernennung des Richters und Nationalsozialisten Paul Kipper zum Präsidenten der Landeskirchenkanzlei ab 26. April 1934 und der Ernennung zum Präsidenten des Landeskirchenamtes ab 20. Oktober 1937 war die Evangelische Kirche in Nassau-Hessen voll in der Hand der Nationalsozialisten.

Ein Beispiel für den Kirchenkampf in Darmstadt waren die Auseinandersetzungen um die sogenannte Evangelische Woche 1937.

Zur vertieften Beschäftigung mit dem Thema wird auf die Veröffentlichung von Grundwald/Oelschläger [2] verwiesen.


Q: [1] [2] [3] [4], Abbildung: [5]

 

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