DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Kreisauer Kreis
Kreisauer Kreis
Aktionsprogramm des Kreisauer Kreises nach einem Entwurf von Carlo Mierendorff (Auszug)
Beim Anklicken des Bildes öffnet sich das vollständige Aktionsprogramm
sowie die Kurzfassung der Denkschrift über die Grundlagen der Staatslehre von Graf von Moltke)
Kreisau war der Name des zwischen Breslau und Schweidnitz gelegenen Gutes des Grafen James von Moltke im heutigen Polen. In der Zeit von 1940 bis 1943 trafen sich dort Angehörige der jüngeren Generation der deutschen Opposition gegen Hitler zu einer Reihe von Beratungen über den geistigen und politischen Neuaufbau Deutschlands nach dem Ende der NS-Diktatur. Der Begriff "Kreisauer Kreis" wurde zuerst von der Gestapo nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 gebraucht, deren Verfolgung die Mehrzahl der Mitglieder dieses Kreises zum Opfer fiel. Interessant und faszinierend ist dieser Personenkreis, weil er einen Querschnitt der deutschen Geistes- und Sozialgeschichte der 1930er und 1940er Jahre darstellt und dies unter den Bedingungen der totalitären Diktatur.

In ihm fanden sich zusammen:

Angehörige der alten preußischen Aristokratie wie z.B. James Graf von Moltke (11.3.1907 - 23.1.1945, hingerichtet), Peter Graf Yorck von Wartenburg (13.11.1904 - 8.8.1944, hingerichtet), Horst von Einsiedel (7.6.1905 - 1947 oder 1948) oder Carl Dietrich von Trotha (1907 - 1952)

Repräsentanten einer jungen sozialdemokratischen "Arbeiterelite" wie Julius Leber (16.11.1891 - 5.1.1945, hingerichtet), Adolf Reichwein (3.10.1898 - 20.10.1944, hingerichtet), und den aus Darmstadt stammenden Carlo Mierendorff (23.3.1897 - 14.12.1943) und Theodor Haubach (15.9.1896 - 23.1.1945, hingerichtet) und andere

Theologen wie die katholischen Alfred Delp (15.9.1907 - 2.2.1945, hingerichtet), Augustin Rösch (11.5.1893 - 7.11.1961), Lothar König (1906 - 1946) und die evangelischen Eugen Gerstenmaier (25.8.1906 - 13.3.1986), Harald Poelchau (5.10.1903 - 29.4.1972) und andere

Vertreter aus Wissenschaft und Verwaltung wie Adolf Reichwein (3.10.1898 - 29.10.1944, hingerichtet), Hans Peters (5.9.1896 - 1966), Paulus van Husen (1891 - 1971), Theodor Steltzer (17.12.1885 - 27.10.1967), Adam von Trott zu Solz (9.8.1909 - 26.9.1944, hingerichtet), Hans Lukaschek (22.5.1885 - 26.1.1960), Günter Schmölders und andere

schließlich gingen die Beziehungen hinüber zum militärischen Widerstand, teils durch familiäre Bindungen, teils durch enge persönliche Freundschaften, besonders zum Attentäter des 20. Juli, Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seiner Gruppe.


In einem Brief hat James Graf von Moltke die gemeinsamen Ziele der Mitglieder des Kreises umrissen. Sie sahen es als ihre Aufgabe an, sich "ein Bild Europas nach dem Krieg" zu machen.

"Wir können nur erwarten, unser Volk zum Sturz dieser Regierung des Schreckens und Grauens zu bewegen, wenn wir imstande sind, ein Ziel jenseits der lähmenden und hoffnungslosen nächsten Zukunft zu zeigen ... . Die eigentliche Frage, vor die Europa nach dem Krieg gestellt wird, ist die, wie das Bild des Menschen im Herzen unserer Mitbürger wieder hergestellt werden kann. Dies aber ist eine Frage der Religion und der Erziehung, der organischen Verbundenheit mit Beruf und Familie, des rechten Verhältnisses zwischen Verantwortung und Anspruch."

Es ging den Kreisauern um die Wiederherstellung der "Bürgergesellschaft" mit ihrem natürlichen Pluralismus der Interessen und Weltanschauungen. Die Idee der Gerechtigkeit wurde immer wieder beschworen, also die Wiederherstellung der Menschen- und Minderheitenrechte, des Rechtsstaates und der Gewaltenteilung. In wichtigen Punkten hat später der Parlamentarische Rat an diese Überlegungen angeknüpft, ohne ausdrücklich Bezug auf den Kreisauer Kreis zu nehmen.

Adolf Reichwein muss auch Beziehungen ins Hessische gehabt haben. Denn Philippi [2] schreibt in seiner Dissertation: "Reichwein hatte nach dem Krieg 1919 zusammen mit seinem ehemaligen Frontkameraden Albert Krebs (7.10.1897 - 2.12.1992) dazu wichtige Impulse in einem Volkshochschulkurs in Darmstadt erfahren". Übrigens gibt es in Darmstadt eine Moltkestraße. Diese ist allerdings nicht nach James von Moltke, sondern nach dem Militaristen Helmuth von Moltke benannt.

Aktionsprogramm des Kreisauer Kreises nach einem Entwurf von Carlo Mierendorff sowie Kurzfassung der Denkschrift über die Grundlagen der Staatslehre von Graf von Moltke


Q: [1] [2] [3] [4] [5], Faksimile und pdf-Datei: [6]

 

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