DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Nationalsozialistische Täter, Nationalsozialisten, naziaffine Personen, Personen mit NS-Bezug aus Darmstadt oder mit Darmstadt-Bezug

In Darmstadt erzielte die NSDAP nicht nur bei den Wahlen 1933 überdurchschnittliche Erfolge, nein, aus Darmstadt stammen auch viele "Persönlichkeiten", die

"Es hat die nationalsozialistische Diktatur gegeben, weil es genügend Menschen gab, die sie stützten. Die Mehrheit gehörte zu den Tätern, zumindest zu den Mitläufern. Nur einige waren zum Widerstand bereit, zwei bis drei Prozent der Deutschen, höchstens" - schreibt Dirk Pilz zur neuen Dauerausstellung zum deutschen Widerstand im Berliner Bendlerblock in Berlin.

Entgegen der möglichen und in Einzelfällen auch durchaus berechtigten Kritik, dass die Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen alleine kein "Herausstellungsmerkmal" sein könne, sind die Autoren des vorliegenden Lexikons der Auffassung, dass die Mitgliedschaft im Allgemeinen Zustimmung zu Programm und Praxis der Organisation bedeutet. Eine andere Möglichkeit ist, dass Opportunität die entscheidende Maxime war. Beides stellt kein beispielgebendes Moment in einer Demokratie dar. Oder aber war eine Mitgliedschaft aus Tarnungsgründen eingegangen worden. Hierfür steht zum Beispiel die NSDAP-Mitgliedschaft des Darmstädter Widerstandskämpfers und NS-Opfers Arvid Harnack.

Wer nach dem Ermächtigungsgesetz 1933, den antijüdischen Ausschreitungen am 1. Mai 1933, dem Verbot aller Parteien (außer der NSDAP als Staatspartei) im Juni 1933 und den Rassegesetzen 1935 Mitglied der NSDAP wurde oder blieb, war Teil der sogenannten Massenbasis der Nazi-Ideologie, egal ob er  - es handelte sich ja meist um Männer - aus Überzeugung oder Opportunismus dabei war.

Im Gegensatz zu manchen Historikern sind die Autoren nicht der Meinung, dass die Behandlung bzw. der Umgang mit aktiven Nationalsozialisten, den NS-Eliten, in der Zeit nach 1945 eine gelungene "Integration" dieses Personenkreises darstellt. Nein, im Gegenteil, die Tatsache, dass es Verantwortlichen des NS-Gewaltregimes gelang, in der Regel ihre Karriere ohne Bruch und ohne Verantwortungsübernahme fortzusetzen, nicht selten unter Fälschung des Lebenslaufs oder unter Zuhilfenahme der sogenannten Persilscheine, ist kein Ruhmesblatt für die Bundesrepublik Deutschland.

Es gibt aber auch Personen, die sich, ohne Mitglied der NSDAP oder diverser Unterorganisationen gewesen zu sein, im Sinne der Nationalsozialisten betätigt haben, sei es als Wissenschaftler, als Mediziner oder als Publizist/Journalist.

Wir nennen hier alle uns im oben beschriebenen Kontext bekannt gewordenen Personen. Differenziert wird im konkreten Text zur betreffenden Person.

Wir verweisen auch auf das Stichwort Justiz - Darmstädter Richter vor und nach 1945. Die dort Enthaltenen sind hier nicht aufgeführt.


Abt, Ferdinand, Stadtverordneter

Agde, Prof. Georg, Chemiker, Hochschulprofessor

Albiker, Karl, Bildhauer

Altendorf, Hans, Jurist

Anrich, Ernst, Professor, Verleger

Antes, Adam, Bildhauer

Avieny, Wilhelm, Bankkaufmann, SS-Obersturmbannführer

Axt, Dr. Ernst, Mediziner

Baader, Prof. Gustav Theodor, Forstwissenschaftler

Bach, Prof. Adolf Lucian Philipp, Germanist, Namensforscher und Volkskundler

Barth, Ferdinand, Künstler

Barth, Dr. Robert, Jurist, Politiker und kurzzeitig Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt

Beck, Prof. Georg, Professor für Kraftfahrwesen und Leichtmotorenkunde

Becker, Dr. Edwin Eduard, Theologe

Becker, Prof. Wilhelm Martin, Studienrat

Berglar-Schröer, Paul, Schriftsteller

Best, Werner, Jurist, Reichsicherheitshauptamt

Beyer, Adolf, Maler, Bildhauer

Bley, Wulf, Schriftsteller, Dramaturg

Bochow, Hans, Direktor, Stadtrat

Böhm, Bruno, Kriminalsekretär

Born, Eckehard, Oberstudiendirektor

Börsig, Rudolf Friedrich, Kunsthändler

Bräuning-Oktavio, Hermann, Schriftsteller

Brill, Prof. Ernst Heinrich, Mediziner und Hochschullehrer

Brill, Prof. Rudolf, Chemiker

Cauer, Walter, Künstler

Dahlem, Dr. Georg, Jurist

Dengler, Georg Albert, Kriminalsekretär

Deppert, Karl, Gewerbelehrer und Maler

Dierks, Margarete, Schriftstellerin

Duesterberg, Theodor, Soldat und Politiker

Edschmid, Kasimir, Schriftsteller

Eidmann, Heinrich, Pädagoge und Heimatforscher

Esselborn, Dr. Karl, Direktor der Hessischen Landesbibliothek

Ewald, Reinhold, Maler und Bildhauer

Felmy, Hellmuth, General

Gemeinder, Peter, Gauleiter

Grund, Peter, Stadtplaner

Habich, Ludwig, Bildhauer

Hammer, Dr. Richard, FDP Bundestagsabgeordneter

Heidebroek, Enno, Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt

Hellenbroich, Heinz, Kriminalrat

Hickel, Theodor, Pfarrer

Hoelscher, Richard, Maler

Hoetger, Prof. Bernhard, Künstler

Hofferbert, Willi, Kunstmaler

Holtzmann, Ernst, Jurist, Bürgermeister in Darmstadt

Isenburg, Helene Elisabeth Prinzessin von, Präsidentin des Vereins "Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte e.V."

Jung, Philipp Wilhelm, Hessischer Ministerpräsident

Jäger, Hanns Ernst, Schauspieler

Jobst, Heinrich, Künstler

Jürgens, Franz, Polizist

Katzmann, Fritz, SS, Polizei

Keyserling, Hermann Graf, Philosoph

Kipper, Paul, Richter, Jurist

Kissinger, Heinrich, Brandstifter der Synagogen

Koch, Karl Otto, KZ-Kommandant

Kranz, Prof. Dr. Heinrich Wilhelm , Augenarzt, Gauamtsleiter

Knöbel, Walter, Landtagsabgeordneter, Oberbürgermeister

Krolow, Karl, Lyriker und Dichter

Krieger, Arnold, Schriftsteller

Kurbjeweit, Dr. Hans-Carl, Jurist

Lentz, Waldemar, Spitzel bei der sogenannten "Roten Kapelle"

Leydhecker, Dr. Otto, Arzt

Lieser, Karl, Architekt, Rektor der Technischen Hochschule

Loeschke, Prof. Adalbert, Kinderarzt

Löhr, Walter,  Politiker, MdB

Ludwig, Klausdieter, Bankdirektor, NPD-Mitglied nach 1945

Mahla, Wilhelm, Brandstifter der Synagogen

Merck, Karl, Wehrwirtschaftsführer, Merck-Gesellschafter

Merck, Mathilde, Förderin der NS-Forschungsgemeinschaft

Metzger, Ludwig, Oberbürgermeister, MdB

Michel, Wilhelm, Schriftsteller

Mohr, Robert, Reichssicherheitshauptamt

Molter, Hermann, FDP Landtagsabgeordneter

Obenauer, Prof. Karl Justus, Schriftsteller, Germanistikprofessor

Rodemer, Heinrich, FDP Landtagsabgeordneter, Stadtverordneter

Schilling, Karl, NSDAP-Kreisleiter

Schnack, Anton, Schriftsteller

Schopper, Werner, Arzt

Schroeder, Ernst, Bürgermeister der Stadt Darmstadt

Schubert, Heinrich, NS-Offizier

Scriba, Dr. Ludwig, Präsident des Oberlandesgerichts Darmstadt

Seipel, Dr. Wilhelm, FDP-Landtagsabgeordneter

Simon, Hans, Akademie für Tonkunst

Six, Franz Alfred, SS-Obersturmbannführer

Söllinger, Ernst, Turnlehrer

Sprenger, Jakob, Gauleiter

Stark, Hans, SS, KZ-Mitarbeiter

Stegmüller, Ernst, Kaufmann

Stuckart, Dr. Wilhelm, Präsident des Oberlandesgerichts Darmstadt

Stülpnagel,Carl Heinrich, General

Veesenmayer, Edmund, SS-Brigadeführer, Politiker

von der Au, Hans Ludwig, Theologe und Volkskundler

Walther, Alwin, Professor

Wamboldt, Otto, Oberbürgermeister von Darmstadt

Wellmann, Willy, Oberlandesgerichtsrat in Darmstadt

Werner, Ferdinand, Staatspräsident Hessen

Wießmann, Dr. Arthur, Mediziner

Wolff, Karl, Adjutant und Stabschef Heinrich Himmlers

Zürtz, Alfred, Bauschlosser, NSDAP-Kreisleiter

 

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