DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Brief
Brief von Pfarrer Amborn an einen Amtsbruder vom 22.3.1935
(Bild anklicken zum Vergößern)

Amborn, Karl Christian (12.10.1890 Darmstadt - 2.6.1952 Offenbach) wurde evangelischer Pfarrer. Seine erste Pfarrstelle war 1921 in Oberwallmenach. 1927 wurde er nach Braubach am Rhein versetzt.

Im Jahr der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten gehörte er zu den Gründern des Pfarrernotbundes.

1934 folgte eine Strafversetzung nach Horrweiler.

Er wurde Vorsitzender des Bruderrates Nassau, der neu gegründeten "Bekennenden Kirche" in Hessen-Nassau, einer Widerstandsbewegung, die auf der Arbeit des Pfarrernotbundes aufbaute und der sich engagierte Pfarrer in ganz Deutschland anschlossen.

Seine Aktivitäten führten zu Disziplinarverfahren, Verhören, Hausdurchsuchungen und Geldstrafen.

Der Briefausschnitt aus der Abbildung zeigt seine Haltung.

1936 wurde er Pfarrer in Offenbach und blieb dies bis zu seinem Tod.

Er setzte sich zum Teil mit Erfolg für getaufte Juden und Behinderte ein, versteckte sie und rettete sie so vor der Gaskammer, heißt es in einer Veröffentlichung anlässlich einer Stolpersteinverlegung 2009. Laut einer Liste des Ortsgruppenleiters Tempelsee sollte er "nach dem Endsieg" mit seiner Familie in Sippenhaft genommen und erschossen werden, heißt es dort weiter.

In einer Ausstellung "75 Jahre EKHN" (Evangelische Kirche in Hessen-Nassau) wird ebenfalls an ihn erinnert:

"Die Gründung der EKHN ist mit ihren demokratischen Strukturen deutlich geprägt von den verheerenden Erfahrungen des Nationalsozialismus, unter dessen Regime sich auch die evangelische Kirche an der Diskriminierung von Juden beteiligte. Die meisten Zeitzeugen von damals sind zwar tot. Aber es gab auch in den Gemeinden des Rhein-Lahn-Kreises Widerstand von der Kanzel. Pfarrer Karl Amborn aus Braubach ist einer der wenigen. ...".


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