Geiger, verheiratet und Mutter von drei Kindern, hatte in Graz das Abitur abgelegt, besuchte eine Handelsschule und studierte Kunstgeschichte und Archäologie an den Universitäten Graz und Innsbruck.
1964 promovierte sie. In HEBIS ist keine Dissertation verzeichnet.
Geiger kam 1965 aus Graz nach Darmstadt und engagierte sich im Bereich der städtischen Kunstpolitik. Mit ihr verbunden ist unter anderem die UNESCO-Bewerbung der Mathildenhöhe als Weltkulturerbe und die Gründung einer Waldorfschule. Auch gründete sie den Verein "Sag ja zum Kind".
Anschließend arbeitete sie bei der Redaktion des "Ullstein-Kunstlexikon" und war Autorin im Ullstein-Kunstlexikon von 1967, allerdings unter dem Namen Elisabeth Geiger.
1971 legte sie eine Hauswirtschaftsmeisterprüfung ab und bildete danach Hauswirtschaftslehrlinge aus.
Nach Wikipedia trat sie 1970 der CDU bei. Von 1975 bis 1993 war sie Vorsitzende der CDU-Frauenvereinigung in Darmstadt. Von 1977 bis 2006 war sie CDU-Stadtverordnete in Darmstadt, von 1989 bis 1994 auch stellvertretende Kreisvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU.
Vom 29. September 1992 bis 1994 gehörte sie als Nachrückerin für den verstorbenen Dr. Kappes dem Deutschen Bundestag an.
Ab 1994 studierte sie Verhaltensbiologie an der Universität Heidelberg.
Mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 19. Dezember 1999 wurde sie in die Riege der Stadtältesten aufgenommen.
Die Künstlervereinigung Darmstädter Sezession trat am 14. Januar 1994 mit folgender Erklärung an die Öffentlichkeit:
Was war geschehen?
Der Direktor des Instituts Mathildenhöhe Klaus Wolbert wollte Mario Sironi in Darmstadt ausstellen. Das Darmstädter Echo nannte ihn "einen der Großen der italienischen Malerei und Documenta-Künstler", er sei aber auch ein "bekennender Faschist und Gefolgsmann Mussolinis bis zu dessen Ende." Wolberts Pläne schlugen weit über die Stadt hinaus Wellen, der damalige Oberbürgermeister Peter Benz sagte die Ausstellung ab, schreibt das Echo.
Wer war Mario Sironi?
Nach Wikipedia begann er 1922 für Mussolinis Tageszeitung Il Popolo d’Italia Kunstkritiken zu verfassen. Durch seine guten Beziehungen zum faschistischen Regime erhielt Sironi zahlreiche Aufträge für Wanddekorationen, Reliefs, sowie Glasfenster und Mosaiken. Seine monumentalen, heroisierenden Wandgemälde trugen ihm zwar nach dem Krieg Kritik ein, konnten jedoch seinen künstlerischen Rang nicht wesentlich schmälern. So wurden seine Werke u. a. auch auf der documenta I (1955), der documenta II (1959) und der documenta III (1964) in Kassel gezeigt.
Nach Bekanntwerden dieser Pläne entstand in der Darmstädter Stadtgesellschaft eine kontroverse Diskussion, die in der "Zeitung für Darmstadt" vom 28. Januar 1994 unter der Überschrift "Wie reif sind wir eigentlich? - Diese Stadt will nichts mit Faschisten zu tun haben" detailliert dargestellt wurde. Nachfolgend einige Auszüge:
Für die CDU-Stadtverordnete Geiger war dies ein Zeichen für Zensur und Intoleranz: "Das ist eine faschistische Methode, einen Künstler wegen seiner politischen Überzeugung auszugrenzen." Eike Ebert (SPD) war "froh und stolz darauf, daß diese Ausstellung abgesagt wurde… Diese Stadt will nichts mit Faschisten zu tun haben…".
Was hatte es damit auf sich und warum lud die CDU-Politikerin Geiger einen italienischen Neofaschisten nach Darmstadt ein? Einen Künstler, durch seine "seine Wandmalerei für das faschistische Italien" berühmt wurde, wie es in der Veröffentlichung von Angelika Klüpfel in "Mario Sironi (1885–1961) Landschaft als Experiment" heißt.
Geiger schrieb am 7. Januar 1994 einen Brief an Bruno Zarotti, einem italienischen Neofaschisten, der, so der Spiegel 1980, seit vier Jahren bemerkenswert aktives Mitglied der CDU ist. Und weiter im Spiegel:
(Anmerkung: Die unterschiedliche Schreibweise "Zoratto" bzw. "Zarotti" ist wohl einem Schreibfehler geschuldet.)
In der Abbildung das Schreiben von Frau Geiger an den italienischen Neofaschisten. In diesem Schreiben betont sie, der Vorgang erinnere sie an "Methoden des Nationalsozialismus, als deutsche Künstler ihrer Einstellung wegen als 'entartet' eingestuft und ausgegrenzt wurden".
Ende 2009 zieht Sissy Geiger mit ihrem Mann in ihre alte Heimat Graz.
Eine Beurteilung der politischen Haltung von Frau Geiger überlassen wir dem mündigen Bürger.