DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Adler, Rudolf (*09.08.1879), Adler, Lina (*18.04.1882) und Adler, Elise (*12.04.1883) waren Kinder von Emanuel Adler.

Emanuel Adler war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie von Arheilgen nach Darmstadt gezogen. Das Ehepaar Adler hatte elf Kinder: Vier Söhne und sieben Töchter. Zwei der vier Söhne verstarben in jungen Jahren.

Emanuel Adler gründete 1868 in Darmstadt eine oHG für den Handel mit Getreide, Früchten, Futtermitteln und anderen landwirtschaftlichen Produkten.

Ab 1879 war die Familie in der Mauerstraße 20 gemeldet. Hier führte Emanuel Adler auch sein Geschäft und erwarb später das Anwesen.

Nach dem Tod von Emanuel Adler im Jahr 1898 führten zunächst seine Witwe Rosa und der ältere Sohn Max das Geschäft weiter. Knapp zehn Jahre später (1907) zog sich die Witwe aus dem Geschäft zurück und übergab es an ihre Söhne Max und Rudolf.

1920 wurde die oHG in der bestehenden Form aufgelöst und Rudolf gründete eine eigene, gut gehende Firma für den Handel mit Landesprodukten.

Ab 1934/35 ging jedoch der Umsatz unter dem Druck der nationalsozialistischen Boykottmaßnahmen zurück. Am 30. Dezember 1938 wurde die Firma aufgelöst. Seine Tätigkeit als Immobilienagent konnte er weiterhin ausüben. Weitere Einnahmen erzielten die Geschwister aus der Vermietung von Wohnungen und Lagerräumen.

Am 11. November 1938 wurde Rudolf als "Aktionsjude" nach der Pogromnacht zum ersten Mal verhaftet und nach Buchenwald deportiert. Am 02. Dezember 1938 wurde er wieder entlassen. Am 10. oder 11. April 1941 folgte die zweite Verhaftung und die Deportation nach Dachau. Von dort wurde er im Juli 1941 nach Buchenwald verlegt, wo er laut Lagertotenschein am 13. März 1942 an Herzversagen starb.

Die Urne mit seiner Asche wurde seinen Schwestern Lina und Elise wenige Tage vor deren eigenen Deportation überbracht.

Die Geschwister Rudolf, Lina und Elise lebten gemeinsam in der Mauerstraße 20. Lina wurde als Modistin ausgebildet und betrieb ein eigenes Atelier im elterlichen Haus. Die Großcousine von Lina - Gertrud Preiss - berichtete:

"Hierfür waren drei Zimmer verwendet, ein Empfangszimmer, Probier- und Ausstellungsraum und ein Arbeitszimmer. Sie beschäftigte Personal, ich erinnere mich vor allem an mehrere Lehrmädchen. …. Sie hatte eine Kundschaft aus sehr guten Kreisen, vor allem Offiziersfrauen. Ihre Hüte waren sehr gediegen und auch teuer. Sie führte keinerlei Massenware."

Elise Adler hatte als einzige der drei Adlergeschwister keine Berufsausbildung. Nach Zeugenaussagen führte sie ihren Geschwistern den Haushalt.

Lina und Elise wurden am 25. März 1942 nach Piaski deportiert und gelten als vermisst.

Anmerkung: Der Text stammt von Margret Müller und Gerhard Langermann anlässlich der Stolperstein-Verlegung in Darmstadt am 18. April 2008 in der Mauerstraße 20.


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