DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Gerhart-Hauptmann-Straße Die Straße in Darmstadt-Arheilgen wurde 1952/53 nach dem Dichter Gerhart Hauptmann (15.11.1862 Ober-Salzbrunn in Schlesien  - 6.6.1946 Agnetendorf/Agnieszków in Schlesien) benannt.

Gerhart Hauptmann war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller.

Er schrieb 1889 in seinem Werk, dem Drama "Vor Sonnenaufgang":

"Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und den Mord im Kriege zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker zu verachten und selbst, wie es die Soldaten tun, mit einem Menschenabschlachtungs-Instrument, wie es der Degen oder der Säbel ist, an der Seite stolz herumzulaufen. Den Henker, der das mit dem Beile täte, würde man zweifelsohne steinigen. Verkehrt ist es dann, die Religion Christi, diese Religion der Duldung, Vergebung und Liebe, als Staatsreligion zu haben und dabei ganze Völker zu vollendeten Menschenschlächtern heranzubilden ..."

Gerhart Hauptmann hatte aber auch eine sehr indifferente wechselhafte Einstellung zum Nationalsozialismus. So unterzeichnete er nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 16. März 1933 eine Loyalitätserklärung der deutschen Akademie der Dichtung, im selben Jahr beantragte er, in die NSDAP aufgenommen zu werden. Von der örtlichen Parteiorganisation wurde dies aber abgelehnt.

Von Hitlers Reichstagsrede am 17. Mai 1933 war er tief beeindruckt.

Hitlers Siege kommentierte er 1940 mit "Deutschland steht vor der Weltherrschaft. ... Dazu bedurfte die Geschichte Adolph Hittlers (sic!) Weltgenie."

Bei der Premiere der "Jungfern vom Bischofsberg" in Berlin 1943 saß er in der Ehrenloge mit Hermann Göring. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2. Mai 2008 gibt Marcel Reich-Ranicki zu Protokoll:

"Jawohl, ich habe es gesehen: Der greise Hauptmann, zu dessen Aufstieg zum großen Teil Juden beigetragen haben (Intendanten, Regisseure und Kritiker), kannte tatsächlich keine Hemmungen, die Hand zum Hitlergruß zu erheben."

Im August 1944 wurde er von Adolf Hitler in die "Gottbegnadeten-Liste" aufgenommen und darüber hinaus kam er auch auf eine Sonderliste der unersetzlichen Künstler, was ihn von sämtlichen Kriegsverpflichtungen befreite.

Bei Wilhelm von Sternburg in der Frankfurter Rundschau lesen wir:

"Den Ersten Weltkrieg begleitete dieser als Humanist gefeierte Dichter mit englandfeindlichen Attacken und chauvinistischen Gedichten. ... Er lässt sich vom Dritten Reich vereinnahmen, lobt öffentlich das "Genie" des Führers. ... Er ist ein deutscher Bürger seiner Zeit: Nicht frei von antisemitischen Gedanken - er bewundert die heftige Antisemitin Cosima Wagner und ihren Schwiegersohn, den Rassepropagandisten Houston Stewart Chamberlain ...".


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