DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"

Lönsstraße
Straßenschild Lönsstraße (2025)

Lönsstraße in Darmstadt-Arheilgen Seit dem 26. Juni 1953 ist im Darmstädter Stadtteil Arheilgen eine kleine Nebenstraße nach dem Dichter Hermann Löns, die Lönsstraße, benannt [13].

Hermann Löns wurde am 29. August 1866 Culm/Westpreußen, heute Chelmo/Polen, geboren und starb am 26. September 1914 bei Loivre vor Reims/Frankreich. Er war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Löns legte das Abitur am Gymnasium Paulinum in Münster/Westfahlen ab und studierte zunächst Medizin an der Universität Greifswald und später in Göttingen. Ab 1889 besuchte er in Münster die "Akademie" für Mathematik und Naturwissenschaften.

Von den Nationalsozialisten wurde Löns verehrt. Hier sei die die Lektüre von Katja Williams "Heide und Hakenkreuz - Vom Löns-Mythos bis Bergen-Belsen" empfohlen.

In "Der Wehrwolf" von 1910 lesen wir den Satz "Wir wollen verhindern, dass der große Volksgesundungsbrunnen verschüttet, das heilige Seelenbad verunreinigt werde. Weil wir wissen, dass Naturschutz gleichbedeutend ist mit Rasseschutz." Und im Neuen Brockhaus [11] von 1941 heißt es: "In seinem Roman "Der Wehrwolf" gestaltete er heldisches deutsches Leben. Er zeigte starkes Verständnis für den Wert gesunden Volkstums und die beharrende Kraft im niedersächsischen Stammescharakter".

Im Nationalsozialismus wurde dieser Roman zum Bestseller und jungen Menschen zur Lektüre empfohlen.

Aus einem Beitrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) [7] zitieren wir: "Ich bin Teutone hoch vier. Wir haben genug mit Humanistik, National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, dass ich eine ganz gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte. Natürlich passt das den Juden nicht und darum zetern sie über Teutonismus. Das aber ist der Weg, die Wahrheit und das Leben."

Und weiter: Weiber sind für Löns keine "Vollmenschen", denn sie hätten "keine Seele, sondern nur einen Uterus". Und: "Ein Mann wie ich braucht jede sieben Wochen eine andere Geliebte."

Löns äußerte sich wiederholt offen antisemitisch.

Selbst im "Bertelsmann Volkslexikon" von 1962 wird auf den "Wehrwolf" verwiesen.

Die Veröffentlichungen von Löns handelten von der Lünebürger Heide, vom Dreißigjährigen Krieg, befassten sich mit Naturschilderungen, mit Tiernovellen und vielen anderem mehr. Für Wissbegierige wird HEBIS [14] empfohlen.

Über den Verbleib der sterblichen Überreste Löns gibt es unterschiedliche Aussagen. Hitler ließ nach Wikipedia [5] seinen Leichnam exhumieren. Mit der Suche einer Grabstätte waren höchste Vertreter der NSDAP befasst. Letztlich wurde er am 2. August 1935, dem Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges, im Rahmen einer Gedenkfeier im Tietlinger Wacholderhain bei Walsrode bestattet, wo bereits ein Löns-Denkmal aus dem Jahr 1929 stand. Dem Grab sei eine Kupferhülle mit einem von Hitler unterzeichneten Schriftstück beigegeben worden.

Die Autoren des vorliegenden Lexikons fragen, wie lange kann sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine Lönsstraße noch leisten? Andere Städte empfehlen eine Kontextualisierung oder eine Umbenennung. Und Darmstadt?


Q: [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10] [11] [12] [13] [14], Abbildung: Autoren

 

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