DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Vix, Wilhelm Lothar (7.6.1878 Metz - .) stammte aus einer Darmstädter Arztfamilie.

Er bestand Ostern 1896 am Ludwigs-Georgs-Gymnasium die Reifeprüfung und studierte anschließend in Jena und München Medizin. Nach der Approbation leistete er Militärdienst in Würzburg und Darmstadt. Es schloss sich eine zweijährige Tätigkeit als Schiffsarzt an.

Danach wechselte er nach Breslau zu einer Facharztausbildung als Nervenarzt an der dortigen Psychiatrischen- und Nervenklinik der Universität. Nun schloss er eine zehnmonatige Zeit in Ostafrika an, um sich mit der Schlafkrankheit zu beschäftigen.

Am 21. Juni 1901 legte er in Jena eine medizinische Dissertation zum Thema "Ein Fall von symmetrischer Gangrän der Lider und der Thränensackgegend" vor.

1911 kehrte er nach Darmstadt zurück, eröffnete eine Praxis als Nervenarzt und war als beratender Nervenarzt am Stadtkrankenhaus tätig. Das Adressbuch von 1912 führte ihn als "Vix, Wilhelm, Dr. med., Spezialarzt für Nervenkranke, Karlstraße 72, Sprechstunden: Grafenstraße 23".

1923 wurde er Amtsarzt am Kreisgesundheitsamt Darmstadt und war von 1927 bis 1934 Kreisarzt beim Kreisgesundheitsamt Dieburg. 1934 wurde er Amtsarzt und leitender Arzt am Staatlichen Gesundheitsamt in Darmstadt. Dem Regierungsblatt von 1934 ist zu entnehmen, dass "der Kreisarzt zu Dieburg Medizinalrat Dr. Wilhelm Vix zum Kreisarzt beim Kreisgesundheitsamt Darmstadt mit der Amtsbezeichnung Obermedizinalrat" berufen wurde.

Der Quelle Laehr u. a. von 1937 kann entnommen werden, dass "Nervenarzt Obermed.-Rat Dr. Wilhelm Vix in der Psychiatrischen Abteilung der städtischen Krankenanstalten einen Pavillon mit 24 Betten zur vorübergehenden Unterbringung und Beobachtung von Geisteskranken" unterhielt. Es wird hier nicht weiter ausgeführt, wie die Nationalsozialisten und viele der Mediziner damals mit sogenannten geisteskranken Menschen umgingen.

Bis 1931 gehörte er der Deutschen Volkspartei an. Später, so heißt es im Mitteilungsblatt der Deutschen Regierung des Landes Hessen vom 9. August 1945, "schloss er sich keiner Partei mehr an, auch nicht der NSDAP".

Verschwiegen wird dort jedoch, dass er von 1934 bis 1945 dem NSAeB, von 1934 bis 1945 der Deutschen Jägerschaft, von 1934 bis 1945 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), außerdem dem NS-Kriegerbund und dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) angehörte. Dennoch überstand er das Entnazifizierungsverfahren als "Nicht Betroffener".

Im bereits zitierten Mitteilungsblatt der Deutschen Regierung wurde er als Verantwortlicher für das Gesundheitswesen vorgestellt.

Das Adressbuch von 1949 führt ihn nun als "Vix, Wilhelm, Dr. med., Ob.-Med.-Rat, Nervenarzt, Karlstraße 74".


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