DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Cambrai-Fritsch-Kaserne Die ehemalige Kaserne befindet sich am südlichen Ende der Ludwigshöhstraße in Bessungen. Sie bestand ursprünglich aus zwei Kasernen.

Am 1. November 1950 wurde sie aufgrund einer Liegenschaftsvereinbarung zum Sitz der in Darmstadt stationierten amerikanischen Streitkräfte (US-Army). Gleichzeitig wurden beide Kasernen, die Cambrai-Kaserne und die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne, zur Cambrai-Fritsch-Kaserne zusammengelegt.

Tor zur Cambrai-Fritsch-Kaserne in der Ludwigshöhstraße
Nordtor zur Cambrai-Fritsch-Kaserne in der Ludwigshöhstraße (2012)

In der Kaserne befanden sich laut einer Selbstdarstellung der US-Army in einer Broschüre der Bundeswehr von 1995 das Hauptquartier des 233. Standortunterstützungsbataillon (233rd Base Support Battalion), das Hauptquartier des 32. Heeresluftverteidigungskommandos, ein Bataillon der 22. Fernmeldebrigade (22nd Signal Brigade) sowie mehrere Unterstützungskompanien und -einheiten. Laut den Hinweisschildern in der Kaserne selbst waren allerdings im selben Jahr  folgende Einheiten stationiert:

An den Toren zur Kaserne in der Ludwigshöhstraße (siehe Bild) und Cooperstraße waren zwar häufig Wachposten aufgestellt, dennoch war der Zugang zum Kasernengelände - bis zu den Anschlägen auf das World Trade Center im September 2001 - auch Zivilisten möglich. Auf dem Kasernengelände befanden sich neben militärisch genutzten Gebäuden auch Dienstleistungsgebäude wie Restaurants, eine Videothek, Lebensmittelgeschäfte und andere. Dem ca. 24,9 ha großen Kasernenkomplex angegliedert war die Jefferson Siedlung, die ca. 100 Familien und 95 Einzelpersonen Unterkunft bot.

Zur Historie ist noch interessant, dass die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren Darmstadt zu einem "Hauptwaffenplatz des Westens" und damit zu einem zentralen Ort ihrer Kriegsvorbereitung ausrichteten. Daher wurden in den Jahren 1937/38 zwei voneinander getrennte Kasernen errichtet:

Auf dem zentralen Platz mit seiner denkmalgeschützten Bebauung sind heute noch die Steinmauern zu sehen, die beide Kasernen trennten. Im März 2017 beantragten die Darmstädter Koalitionspartner Grüne und CDU die Aufhebung des Ensembleschutzes für die den ehemaligen Exerzierplatz umschließenden Gebäude in der Cambrai-Fritsch-Kaserne.

Bei der Namensgebung für die neue Kaserne im Jahre 1950 wurde wohl "übersehen", daß mit dieser Namensgebung einem Mann gehuldigt wird, der von 1935 bis 1938 Heeres-Oberbefehlshaber war und 1939 in Polen als Chef des Artillerieregiments 12 fiel. Noch heute kann man an einer Mauer kurz hinter dem Nord-Eingang der Cambrai-Fritsch-Kaserne den eingemeißelten Schriftzug "Freiherr-von-Fritsch-Kaserne" lesen.

Dies ist leider kein Novum, sind doch in Deutschland immer noch viele Kasernen nach von den Nazis hochdekorierten Offizieren benannt.
In Deutschland gab oder gibt es noch vier weitere Kasernen gleichen oder ähnlichen Namens: Die Freiherr-von-Fritsch-Kasernen in Breitenburg, Scheuen und Hannover sowie die Fritsch-Kaserne in Koblenz.

Die Kaserne steht seit dem Abzug der Amerikaner aus Darmstadt im Jahr 2008 leer. Das Gelände soll als Wohngebiet genutzt werden.

Auf dem Kasernengelände befindet sich ein Gedenkstein für drei bei einem Rodelunfall 1909 getötete Soldaten

Eine Übersicht über die US-Einrichtungen in Darmstadt bis 2008 ist hier zu finden.


Q: [1] [2] [3] [4] [5] [6], Abbildung: Autoren

 

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