DFG-VK Darmstadt "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt"
Deutsche Regierung der Provinz Starkenburg bzw. Deutsche Regierung des Landes Hessen Am 9. August 1945 erschien das Mitteilungsblatt Nr. 1 der Deutschen Regierung des Landes Hessen, in dem auf Seite 1 ein Beitrag unter der Überschrift "Trümmer und Tränen sind das Erbe der Hitler-Herrschaft" abgedruckt wurde.

Unterzeichnet ist der Beitrag von "Deutsche Regierung des Landes Hessen - Der Präsident Dr. Bergsträßer - Polizei: Ahl - Gesundheitswesen: Dr. Vix - Finanz: Dr. Boll - Justiz: Dr. Hansen - Wiederaufbau: Walk - Ernährung- und Landwirtschaft: Dr. Keil".

In dem vierseitigen Mitteilungsblatt werden auf Seite 2 und 3 die neuen Männer vorgestellt. Auffällig ist, dass der für Justiz Zuständige Dr. Hansen fehlt.

Weiter wird mitgeteilt, dass die Militär-Regierung unter dem 8. Mai 1945 Prof. Dr. Bergsträsser zum Präsidenten der Deutschen Regierung der Provinz bestellt habe. Die Diensträume befänden sich in Darmstadt, Rheinstraße 62 in dem Gebäude der Landwirtschaftskammer.

Ludwig Bergsträsser (23.2.1883 Altkirch/Elsass - 23.3.1960 Darmstadt) wurde nach der Gründung des Landes (Groß-) Hessen Regierungspräsident in Darmstadt, Mitglied der Verfassungsberatenden Landesversammlung und Vorsitzender des Verfassungsausschusses. Von 1946 bis 1949 arbeitete er als Abgeordneter im Hessischen Landtag und wurde 1949 Mitglied des Deutschen Bundestags, dem er bis 1953 angehörte. Im Jahr 1950 übernahm Bergsträsser eine Honorarprofessur an der Universität Bonn.

Heinrich Ahl (1.7.1895 Groß-Rohrheim - 5.9.1962 Mannheim-Neckarau) war ein sozialdemokratischer Polizeibeamter, der von den Nationalsozialisten 1933 entlassen wurde. Nach 1945 gehörte er der Deutschen Regierung des Landes Hessen an.

Wilhelm Vix (7.6.1878 Metz - 24.9.1949) eröffnete nach dem Medizinstudium eine Praxis als Nervenarzt und war als beratender Nervenarzt am Stadtkrankenhaus tätig. 1923 wurde er Amtsarzt am Kreisgesundheitsamt Darmstadt und war von 1927 bis 1934 Kreisarzt beim Kreisgesundheitsamt Dieburg. Im Mitteilungsblatt der Deutschen Regierung des Landes Hessen vom 9. August 1945 hieß es, dass er sich keiner Partei mehr angeschlossen habe, auch nicht der NSDAP. Verschwiegen wird jedoch, dass er von 1934 bis 1945 dem NS-Ärztebund, von 1934 bis 1945 der Deutschen Jägerschaft, von 1934 bis 1945 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), NS-Kriegerbund und dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) angehörte. Dennoch überstand er das Entnazifizierungsverfahren als "Nicht Betroffener".

Peter Christian Hansen (31.10.1886 Kiel - 3.1.1946 Darmstadt) war in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ab 1. Mai 1936 Vizepräsident des Oberlandesgerichts Darmstadt. Nach 1945 wurde er Leiter der Justizabteilung der Regierung Hessen (Darmstadt) unter Bergsträßer. Wegen seiner Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen bzw. der Partei, existiert über ihn eine Entnazifizierungsakte.

Wilhelm Martin Boll (26.7.1897 Darmstadt - 13.9.1974 Darmstadt) war in der "Deutschen Regierung der Provinz Starkenburg" bzw. der "Deutschen Regierung des Landes Hessen", die von Frühjahr 1945 bis zur Bildung des Landes Hessen im Oktober 1945 in Darmstadt unter Ludwig Bergsträßers Leitung ihren Sitz hatte, für die Finanzpolitik verantwortlich. Er hatte in Rechtswissenschaften promoviert und war ab 1937 Leiter der Landeshauptkasse Darmstadt. Boll gehörte als Mitglied der NS-Volkswohlfahrt, dem NS-Rechtswahrerbund "und einiger anderer" Verbände an, heißt es in seinem Lebenslauf. Im Mitteilungsblatt der Deutschen Regierung des Landes Hessen vom 9. August 1945 heißt es: "Aus weltanschaulichen Gründen war Dr. Boll stets Gegner des Nationalsozialismus und daher wegen politischer Unzuverlässigkeit seit 1933 als Beamter von Beförderungen usw. ausgeschlossen". Doch immerhin war er den hessischen Nationalsozialisten und dem Gauleiter Jakob Sprenger so vertrauenswürdig, dass er bis zum Ende der Naziherrschaft Leiter der Landeshauptkasse Darmstadt bleiben durfte.

Emil Peter Walk (25.7.1900 Frankfurt/Main - ...) hatte von 1920 bis 1925 an der Technischen Hochschule Darmstadt Elektrotechnik studiert und wirkte ab 1945 in der Deutsche Regierung des Landes Hessen unter Dr. Bergsträßer, zuständig für den Wiederaufbau. Er gehörte keiner nationalsozialistischen Organisation an.

Alfred Rudolf Karl Faber (18.9.1886 Stuttgart-Feuerbach - 13.8.1949 Nieder-Ramstadt) wohnte seit 1922 in Darmstadt und war vor 1945 Polizeioffizier. Im Mitteilungsblatt Nr. 1 vom 9. August 1945 der "Deutschen Regierung des Landes Hessen" wird der Name Faber zwar nicht genannt. Jedoch nennt ihn Walk in einer Veröffentlichung. Danach habe Faber die Verantwortung für die Abteilung Personal gehabt. Im Meldeblatt von 1946 wurde sein jetziger Beruf mit Regierungsdirektor angegeben.


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